Chronik Gartenanlage „Pauluspark“

Flurplan Pauluspark Marienthal

1927 – 2017 90 Jahre Gartenanlage „Pauluspark“

Die Pauluskirchgemeinde kaufte im Frühjahr 1921 am Weißenborner Kirchsteig vom Kaufmann Hermann Rotte ein 61.718m² großes Flurstück. Auf diesem Gelände sollte in der Folge der „Paulus-Park-Marienthal“ entstehen.

Ja, es war ein großer Park für die ganze Familie geplant. Ein einzigartiges Mustervorhaben, das es in dieser Form deutschlandweit noch nicht gegeben hatte, war im Entstehen. Die Kirchgemeinde wollte hier für die Jungen und die Alten, für die Jungmädchen und die Jungmannen, für die Mütter und die Väter mit ihren Kindern und für die Alten und Invaliden eine Stätte der kirchlichen Gemeinsamkeit im Grün der Natur aus der Taufe heben.

Angedacht war die Schaffung eines zentralen Sammelpunktes kirchlicher Kreise, eines Gemeindehauses im Grünen. „Die Mittel zum Ankauf hat der Pfarramtsleiter bei Freunden der Sache, die außerhalb der Kirchgemeinde wohnen, als Schenkung erbeten“, steht in der Gartenordnung vom 06. Juni 1929. Dabei ging es immerhin um die stolze Summe von 172.000 Reichsmark. Unverkennbar spielte sogar der Gedanke der damals in Deutschland sehr verbreiteten und beliebten Naturheilbewegung bei den Gesamtplanungen eine Rolle.

Für ein Vorhaben dieser Größe, Bedeutung und Einmaligkeit brauchte man einen Kopf, einen Macher. Diesen fand man zum Glück, hier ist sogar im wahrsten Sinne des Wortes die Formulierung „Gott sei Dank“ die naheliegende Benennung, in Herrn Oskar Puchert, dem Pfarrer und Kirchenvorstandsvorsitzenden der Pauluskirchgemeinde. Sein Leit- und Lebensmotiv waren die auch außerhalb der Kirchenkreise bekannten Worte: „Prüfet alles und das Gute behaltet!“. Der „Pauluspark“ sollte ein grünes Band in der Landschaft zur Entspannung und Erholung in herrlicher Südhanglage werden. Grünes Band deshalb, weil sich die Gesamtfläche wie ein schmales Band von der Antonstraße bis hoch auf den Windberg fast bis zur Bismarcksäule zog. An der schmalsten Stelle nicht einmal 50 Meter breit, dafür aber ungefähr 750 Meter lang. Der Großteil der Fläche war geplant als Spiel-, Sport- und Turnplätze.

Auf etwa einem Drittel der Gesamtfläche waren auf den Flurstücken 304 und 305 aber auch 157 Schrebergärten und ein Licht- und Luftbad vorgesehen. Zwischen den Schrebergärten sollte ein Park als Ehrenhain entstehen. (Direkt neben diesem nie gebauten Park steht heute die KITA „Anne Frank“.)

Am 25.09.1927 wurden die Schrebergärten ins Leben gerufen. Es enststand somit die noch heute teilweise bestehende Gartenanlage. Unter dem Leitmotiv: „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens“, gab man sich im Folgejahr eine Gartenordnung. Die Schrebergartenanlage nannte sich fortan für viele Jahre „Gartenheimstätte“, der Garten als kirchliche Heimstätte. Insgesamt stand für die Kleingärtner nicht das Interesse am Garten im Vordergrund der Aktivitäten. Da sich die Pächter nämlich mit der Gartenübernahme zur Treue zu ihrer Kirche verpflichteten, nannte sich der Zusammenschluss Gesinnungsgemeinschaft. Die Vereinsbildung war ausgeschlossen, weshalb die Gartenanlage bis 1945 auch nicht dem Zwickauer Stadtverband der Kleingärtner angehörte.

Diese 90-jährige Geschichte (1927 – 2017) wurde im Auftrage des Vorstandes in einer Chronik von Dr. Heinz Wolff auf 250 Seiten im Farbdruck zu Papier gebracht. Es war nicht einfach, die nur noch spärlich vorhandenen Quellen und Zeitzeugnisse ausfindig zu machen. Aber die mühevolle Recherchearbeit hat sich gelohnt.
Die Chronik war pünktlich zum 90. Gartenvereinsjubiläum fertiggestellt und fand erwartungsgemäß großes Interesse. Die erste Auflage von 300 Stück war innerhalb weniger Tage verkauft, auch die Zweitauflage ist längst vergriffen. Wer noch mehr über die äußerst interessante Vereinsgeschichte erfahren möchte, kann die Chronik in der Stadtbücherei Zwickau ausleihen. Hier sind vielfältige Episoden aus der engen Verbindung von Garten-, Vereins-, Kirchen- und Marienthaler Heimatgeschichte nachzulesen.

Die Chronik wurde 2018 für die Auszeichnung mit dem „Sächsischen Landespreis für Heimatforschung“ vorgeschlagen und mit dem Prädikat „Bemerkenswert“ für die Finalrunde gesetzt.